Sport im Wahlkampf und danach – nur mit Inhalten!

Sport im Wahlkampf und danach – nur mit Inhalten!

Persönlicher Kommentar von Björn Glienke

Vor Wochen starteten bundesweit viele Piraten mit einer Infoaktion zu Fanrechten. Warum? Wir wollten a) aufklären über die aktuellen Zustände und b) unsere Konzepte diesbezüglich kommunizieren. Ich selber stand beim Heimspiel der Hertha vor dem Südtor, also dem vorrangigen Gästeeingang und habe dort Interessierten unseren Flyer zum Thema Fanrechte gegeben, der auch eine Auskunftsanforderung für die ZIS zur so genannten “Datei Gewalttäter Sport” beinhaltet. Nachdem die Flyer verteilt waren, bin ich zurück zum Osttor und sah überraschenderweise dort auch einen einzelnen Verteiler von Infomaterial für eine ehemalige Bundesregierungspartei. Also hab ich mir mal interessiert angeschaut, was dort verteilt wird. Es war ein Heftchen mit Terminen, allgemeinen Infos und vor allem vielen Bildern. Spannend fand ich beim Spiel von Hertha B.S.C. die zielgruppengenaue Werbung mit Bildern vom BVB 09 und dem FC Bayern München. Nun denn, immerhin gibt es einen bestimmten Informationswert mit den Spieltagsterminen. Und es passte irgendwie zur Veranstaltung.

Dann las ich im Videotext folgende interessante Information:

Die SPD will im Wahlkampf mit einer gegen Bayern-Präsident Uli Hoeneß gerichteten Postkarten-Aktion bei Fußballfans punkten. Vor allem an Fans von Borussia Dortmund und Schalke 04 sollen am kommenden Wochenende bis zu 100.000 Karten verteilt werden, die Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Handschlag mit Bayern-Präsident Uli Hoeneß zeigen. In Anspielung auf dessen Steueraffäre wurden Merkel die Worte “Glückwunsch Uli! Wir steuern das schon” in den Mund gelegt.

Um den fallenden Umfragen entgegenzuwirken, gibt es nun also kein Programm für Fans oder Vereine von der SPD, sondern Polemik gegen Privatpersonen unter Ausnutzung von Fans anderer Vereine. Ich gehe davon aus, dass die meisten Fußballfans den Schachzug durchschaut haben, aber falls da ein paar Informationen verloren gegangen sein sollten:

Vom Innenministerium NRW wird über die zugehörige Polizei die Zentraldatei “Gewalttäter Sport” verwaltet. Dort stehen einige Gewalttäter drin, der Großteil ist aber kein Gewalttäter*in und eine deutliche Anzahl an Menschen ist sogar vor Gericht bzgl. jeder Vorwürfe frei gesprochen worden und wir dennoch weiter dort geführt und hat dementsprechend bei Flug- oder Bahnreisen ins Ausland oder auch bei einfachen Allgemeinen Verkehrskontrollen mit einer anderen Behandlung zu rechnen.

Dem Innenministerium untersteht die Polizei NRW. Also die Polizei, die nur wenige Tage zuvor in Dortmund Mitglieder verschiedener Ultra-Gruppierungen, “normale” Fans und Menschen, die für einen Film gesammelt haben, zeitweise festgehalten und durchsucht hatten. Dabei wurde ohne Angabe von Gründen spontan Fahnen und Trommeln verboten und Trinkpäckchen aufgeschnitten, weil sie irgend darin Pyrotechnik vermuteten.

Dem selben Innenministerium untersteht die Polizei, die am 21.08.2013 beim Europapokalspiel in Gelsenkirchen nach einem Hinweis eines griechischen Polizisten unter dem Vorwand der “Volksverhetzung” in den Fanblock der Schalker mit ca.200 Mann+Frau eindrang, um dort eine Fahne zu holen. Eine Fahne, die der ehemaligen Fahne eines europäischen UN-Mitgliedslandes ähnelt. Ein Eindringen, bei dem ohne Rücksicht Schlagstock und Pfefferspray eingesetzt wurden, teilweise auch gegen Sanitäter.

Und nun schauen wir einfach mal nach, wer der Chef im Innenministerium ist. Und dieses Vorgehen scheint dann wohl der Ende 2012 angekündigte “Dialog” zu sein.

So gern ich endlich eine Kommunikation zwischen Fans, Fanvertretern, Vereinen und Sicherheitsbehörden gesehen hätte, aber auf welcher Grundlage nach solchen Ereignissen? Mit welchen Parteien? Und wer wird dann demnächst Postkarten mit welchen Motiven drucken?

Auch nach der Wahl werden wir weiter unter anderem in den Landtagen von NRW, Berlin, Saarland und Schleswig-Holstein am Thema Fanrechte, Fanprojekte und Sportpolitik arbeiten. In der Projektgruppe Fanrechte werden wir das Thema auch innerparteilich weiter voran treiben, um es thematisch noch auf breitere Füße zu stellen.

Denn auch nach der Wahl gilt für uns:

“Menschenrechte enden nicht am Stadiontor”